heute
Diesen Beitrag habe ich geschrieben, nachdem ich mehrere Tage auf LinkedIn unterwegs war. Dort trifft man auf eine Mischung aus Selbstvermarktung, Motivationsrhetorik und denglischen Sprachkonstruktionen aus der Welt moderner Start-ups und IT-Unternehmen. Vieles klingt, als sei normales Deutsch inzwischen nicht mehr ausreichend, um gewöhnliche Gedanken angemessen zu „framen“. Was steckt dahinter? Gedankenlosigkeit oder eher der Versuch, sich selbst auf großer Bühne zu inszenieren? Das kann jeder für sich selbst entscheiden. Ich habe all dies mit einem Augenzwinkern einmal bewusst überzeichnet.
Kürzlich war ich auf einem Event – wobei „Event“ es wirklich nicht mehr ganz captured. Es war eher eine curated, plant-based, community-driven Experience entlang meiner persönlichen Candidate Journey.
Es gab ein Store Opening im Rahmen einer Opening Week, dazu ein stark kuratiertes Line-up aus Speaker:innen, Deep Dives und Networking Slots mit ausreichend Raum für spontane Synergy-Momente. Direkt am Eingang: Oatmilk Chai Latte und veganes Banana Bread mit Superfood-Topping. Ich war noch keine fünf Minuten da und hatte bereits das Gefühl, dass mein Mindset leicht am skalieren ist. Mein ursprüngliches Objective war relativ lean: Job finden im IT-/Tech-Umfeld.
Einfach ein solides Setup. Code schreiben. Geld verdienen. Basic. Stattdessen saß ich kurze Zeit später in einem Talk über „holistische, skalierbare Culture Frameworks für nachhaltigen Impact in AI-driven Organisationen“. Es ging um Alignment, Ownership, Enablement und natürlich Mindset. Viel Mindset. Die Slides waren voll mit Pfeilen, die konsequent nach oben gingen. Ich auch – zumindest emotional, kurzfristig.
Zwischendurch gab es ein Product Rollout. Bedeutete konkret: Ein neues Logo wurde mit maximalem Dramaturgie-Setup auf einen Screen gedroppt. „This will disrupt everything.“
Ich habe kurz gehofft, dass es meine Jobsuche disruptet. Spoiler: Hat es nicht. Dann Networking. Also dieses gezielte Herumpivoten durch den Raum, Chai Latte in der einen Hand, latenter Career Pressure in der anderen. Ich habe mich durch diverse Conversations gestreamlined und versucht, meinen Pitch möglichst crisp zu positionieren.
Irgendwann hörte ich mich sagen, dass ich mich aktuell in einer Transition Phase befinde, stark auf Upskilling im AI-/Cloud-Space fokussiere und perspektivisch meinen Impact in einem agilen B2B-Environment enablen möchte. Ich klang hervorragend. Ich war kurz bereit, mich selbst zu hire’n.
Eine Recruiterin meinte, sie „hiren gerade super viel“. Ich meinte, ich auch – also im Sinne von: Ich wäre bereit, gehired zu werden. Wir haben beide genickt. Classic Cultural Fit Moment.
Später noch vegane Bowls, irgendwas mit Quinoa und Lime-Tahini-Infusion. Ich habe gegessen und gleichzeitig reflektiert, ob ich gerade netzwerke oder langsam zu einem LinkedIn-Post werde.
Heute Morgen dann die Follow-up Message: „Great connecting – let’s stay in touch and maybe circle back for a deeper dive.“ Und ich sitze da, mit meinem Hafermilch-Kaffee, und merke:
Ich habe keinen Job gefunden. Kein Interview. Keinen nächsten Step. Aber ich kann jetzt sehr präzise formulieren, dass ich „aktuell Opportunities explore, während ich mein Skillset kontinuierlich erweitere, um langfristig maximalen Impact zu deliveren“.
Und vielleicht ist genau das das eigentliche Upskilling.