Stand-by über den Pazifik

Zwei Rucksäcke, ein Ticket ohne festes Flugdatum und fünf Wochen Zeit.

Unsere Zeit in San Francisco war zu Ende. Wir wollten aber nicht einfach nach Deutschland zurückfliegen, sondern diesen Lebensabschnitt mit einem besonderen Erlebnis abschließen. Von Hildes schwedischer Freundin, deren Mann ebenfalls als Stipendiat in San Francisco arbeitete, erfuhren wir, dass die französische Fluggesellschaft UTA preiswerte Stand-by-Tickets für Flüge über den Pazifik anbot. Das klang genau nach dem Abenteuer, das wir suchten.

Stand-by bedeutete allerdings, dass man nur mitfliegen konnte, wenn noch ein Platz frei war. Eine Garantie gab es nicht. Uns störte das nicht. Wir hatten Zeit, waren flexibel und würden einfach nehmen, was kam.

Unsere Flugtickets enthielten deshalb kein festes Reisedatum. Ebenso wenig konnten wir Unterkünfte reservieren. Wir mussten jederzeit damit rechnen, irgendwo spontan eine Nacht verbringen zu müssen. Also rüsteten wir uns wie Backpacker aus.

Von unserem Ersparten kauften wir zwei MEI-Rucksäcke. Damals waren sie eine kleine Revolution. Sie waren eine Mischung aus Koffer und Rucksack und gehörten zu den ersten Modellen, die später als Vorläufer der heutigen „One-Bag“-Idee galten. Mit wenigen Handgriffen ließen sich die Schultergurte vollständig verstauen, sodass der Rucksack beim Flug wie ein normaler Koffer transportiert werden konnte. Gleichzeitig blieb er bequem zu tragen. Besonders praktisch war ein kleinerer Tagesrucksack, der sich mit einem Reißverschluss direkt auf den großen Rucksack aufsetzen ließ. Schlafsäcke und Isomatten gehörten ebenso zur Ausrüstung wie Schnorchel, Taucherbrillen, Wasserschuhe, Medikamente, Waschmittel, Wäscheleine und alles, was man für fünf Wochen unterwegs brauchen konnte. Viel Kleidung brauchten wir dagegen nicht. In der Südsee war es warm.

Die Route stand durch die UTA-Tickets bereits fest. Von San Francisco würden wir zunächst nach Los Angeles fliegen. Dort begann die eigentliche Reise über den Pazifik. Die nächsten Stationen waren Papeete auf Tahiti, Auckland in Neuseeland, Neukaledonien, Sydney, Jakarta und Bangkok. Von dort aus wollten wir schließlich nonstop nach Frankfurt zurückfliegen.

Zum ersten Mal in unserem Leben würden wir nicht einfach in den Urlaub fahren. Wir hatten einen Rucksack auf dem Rücken, ein Ticket ohne festen Rückflugtermin in der Hand und fünf Wochen Zeit. Mehr Plan gab es nicht. Genau das machte den Reiz dieser Reise aus.