Udo Walz war einer der bekanntesten Friseure Deutschlands. Zu seinen Kundinnen gehörten zahlreiche Prominente, darunter auch Bundeskanzlerin Angela Merkel.
Eines Tages erhielt ich die Anfrage, ob Udo Walz unsere Kinderklinik besuchen dürfe. Er stand kurz vor seinem Geburtstag und hatte sich etwas Besonderes vorgenommen. Anstatt Geschenke wollte er Geldspenden sammeln, um damit die Behandlung eines krebskranken Jungen aus der Ukraine zu unterstützen. Von dessen Schicksal hatte er gehört und wollte helfen. Natürlich sagte ich sofort zu.
Als Udo Walz mit seinen Begleitern vor der Klinik ankam, passierte allerdings etwas Unerwartetes. „Meine Begleiter können gerne mit hineingehen", sagte er. „Ich bleibe lieber draußen." Ich war überrascht und fragte ihn nach dem Grund. „Ich bringe das nicht übers Herz", antwortete er. „Ich glaube, das nimmt mich zu sehr mit."
Also gingen wir zunächst gemeinsam ein Stück um die Klinik herum. Ich erzählte ihm von unserer Arbeit und versuchte, ihm die Angst zu nehmen. „Versuchen Sie es doch einfach", sagte ich schließlich. „Der Junge und seine Mutter werden sich bestimmt freuen. Und wenn Sie merken, dass es Ihnen zu viel wird, gehen wir sofort wieder hinaus. Ganz ohne Aufhebens." Er überlegte einen Moment und nickte schließlich.
Man merkte ihm an, dass ihn der Besuch bewegte. Aber er hielt durch. Nach den ersten Minuten wurde die Stimmung immer entspannter. Der Junge freute sich über den Besuch, die Mutter ebenso, und irgendwann wurde sogar gelacht.
Als wir die Station wieder verließen, wirkte Udo Walz erleichtert.
„Jetzt weiß ich, wo das Geld hingeht", sagte er sinngemäß. „Und ich weiß, dass es dort gut angelegt ist."
Genau so hatte ich ihn an diesem Tag kennengelernt.
Nicht als Starfriseur der Prominenten, sondern als einen Menschen mit einem erstaunlich weichen Herzen.