Mich hat an Kinderkliniken schon immer eines gestört. Für Kinder sind sie fast ausschließlich mit etwas Negativem verbunden. Mit Schmerzen. Mit Spritzen. Mit Blutabnahmen. Mit Operationen. Mit der Trennung von Freunden und oft auch vom gewohnten Alltag. Ich wollte dieses Bild verändern.
Ein Kind sollte nicht zuerst an ein Krankenhaus denken, sondern an einen Ort, an dem auch gespielt, gelacht und gelebt wird. Deshalb entstand die Idee, die Kinderklinik nicht um Stationsflure, sondern um einen großen Freizeitbereich herum zu planen.
Eigentlich war es gar keine Kinderklinik mit Spielplatz. Es sollte ein Spielplatz mit Kinderklinik werden.
Das war mehr als eine architektonische Idee. Dahinter steckte eine Überzeugung. Die meisten unserer Patienten blieben nicht nur wenige Tage. Viele litten an chronischen oder onkologischen Erkrankungen und verbrachten Wochen oder sogar Monate bei uns. Während dieser Zeit war nicht nur das kranke Kind betroffen. Die ganze Familie lebte plötzlich nach den Regeln des Krankenhauses. Eltern pendelten zwischen Station und Zuhause. Geschwister mussten häufig zurückstecken und fühlten sich nicht selten ausgeschlossen. Genau deshalb wollten wir die Familie von Anfang an mitdenken.
Der Freizeitbereich sollte nicht nur den Patienten offenstehen. Auch Geschwister sollten dort spielen können. Wir planten einen Kindergarten mit Erzieherinnen, die sich um die Brüder und Schwestern kümmerten, während die Eltern beim kranken Kind sein konnten. Für die Familien sollte das Krankenhaus nicht nur ein Ort der Behandlung sein, sondern wenigstens zeitweise auch ein Ort, an dem so etwas wie Normalität möglich blieb. Damals war das ein ungewöhnlicher Gedanke.
Heute spricht man viel von familienzentrierter Medizin. Wir haben damals einfach versucht, sie zu bauen. Dabei orientierten wir uns keineswegs nur an deutschen Vorbildern. In den USA hatte ich Kinderkliniken gesehen, die bewusst eine freundliche Atmosphäre schufen. Manche wirkten von außen eher wie eine Burg oder ein Abenteuerland als wie ein Krankenhaus. Kinder sollten neugierig sein und keine Angst bekommen, wenn sie das Gebäude betraten. Ganz so weit gingen unsere Pläne nicht. Aber die Richtung war dieselbe.
Aus dieser Grundidee entwickelten sich nach und nach Theater, Musikstudio, Werkstatt, Kochstudio und der große Spielplatz vor der Klinik. Alles sollte dazu beitragen, dass Kinder trotz ihrer schweren Erkrankung möglichst viel Kindheit behalten konnten.