Gymnasium Bernkastel-Kues

Mitschüler

Freundschaften, Weggefährten und die üblichen Verdächtigen einer langen Schulzeit.

Elf Jahre lang saß man Tag für Tag nebeneinander. Manche Mitschüler verschwanden nach dem Abitur aus dem Blickfeld. Andere begleiten mich bis heute.

Nicht alle waren Freunde. Aber viele gehörten selbstverständlich zu meiner Jugend. Manche Erinnerungen verbinden sich mit Lehrern oder Unterricht, andere mit Streichen, gemeinsamen Unternehmungen oder einfach mit dem Alltag einer Schulklasse.

Die folgenden Zeilen sind keine vollständige Chronik. Es sind Erinnerungen an Menschen, die für meine Schulzeit wichtig waren.

Die üblichen Verdächtigen

Manni, Pipa und Wolfgang gehörten zu den Menschen, ohne die viele Geschichten aus dieser Zeit nicht denkbar wären.

Manni

Manni lernte ich kennen, weil er wie wir alle im Schulbus von Morbach nach Bernkastel fuhr. Er stieg unterwegs in Gonzerath ein. Zunächst war er einer von vielen. Wir kamen aber zusammen, weil wir beide etwas „außer der Reihe“ waren: nicht autoritätskonform, schlecht in der Schule und schließlich auch gemeinsame Sitzenbleiber. Er zweimal, ich einmal.

Später schmiedeten uns viele Streiche, Unternehmungen und Urlaube zusammen. Manni ermöglichte mir indirekt mein Medizinstudium, wie die Geschichte „Der Hauptgewinn“ zeigt. Wir gingen gemeinsam nach Gießen und verbrachten dort viele weitere Jahre. Als ich in die USA ging und danach über weitere Lebensstationen weiterzog, verloren wir uns etwas aus den Augen. In den letzten Lebensstationen sind wir wieder beste Freunde geworden. Die Geschichten zeigen, was für ein außergewöhnlicher Mensch Manni ist.

Hinzuzufügen ist noch, dass Manni das Abitur später in Gießen nachholte und dort sehr erfolgreich als Zahnarzt arbeitete.

Pipa

Pipa war "everybody’s darling", außer vielleicht bei den Lehrern. Er war der Schwarm vieler Mädels, aber zugleich ein unabhängiger Mensch, der Autoritäten in Frage stellte. Ein Lebenskünstler.

Mit Pipa verband uns das Streben nach Unabhängigkeit und die Liebe, neue Streiche auszuhecken. Dazu gibt es mehrere kleine Geschichten. Er hatte deshalb, so wie Manni und ich, mehrmals „Audienzen“ beim „Direx“ Nuhn. Da seine Mutter immer mal wieder anlässlich solcher Ereignisse die Schule unterstützte, gingen die „Audienzen“ meist glimpflich aus.

Nach dem Abitur trennten sich unsere Wege. Er studierte in Köln, ich in Gießen.

Wolfgang (Loisel)

Wolfgang war der eher Brave unter uns. Er hatte einen starken Draht zu Manni, auch weil Wolfgang ein guter Schüler war und dies für Manni nicht unbedingt nachteilig war. Dazu gibt es einige Geschichten.

Wolfgang war ein lieber, angenehmer Mensch, aber bei den haarigen Aktionen war er meist nicht dabei.

Freunde

Nicht alle Freundschaften entstanden in der Schule. Manche entwickelten sich daneben, andere hielten weit über die Schulzeit hinaus.

Hans-Jürgen („Algier“)

Wie es zu dem Spitznamen „Algier“ kam, weiß ich gar nicht mehr. Jedenfalls saßen wir in der Oberstufe zeitweise nebeneinander und machten allerhand Unsinn.

Ich erinnere mich an gemeinsame Zeichenaktionen während des Unterrichts. Als ich bereits eine beachtliche Matte hatte, ließ Hans-Jürgen sich ebenfalls die Haare lang wachsen. Ich brachte ihm einige der damals neuen Rockformationen näher, und gemeinsam fuhren wir nach Frankfurt zu einem Konzert von Emerson, Lake and Palmer.

Später verloren wir uns etwas aus den Augen. Dennoch gehört Hans-Jürgen zu den Menschen, die untrennbar mit meiner Schulzeit verbunden sind.

Jürgen aus Wittlich

Jürgen war in der Parallelklasse der Oberstufe. Näher kennen lernte ich ihn auf den verschiedenen Weinfesten an der Mosel, wo wir uns immer wieder trafen.

An der Wittlicher Säubrennerkirmes war er einmal unser Chauffeur. Die Sache endete allerdings wenig erfolgreich: Die Polizei kontrollierte ihn, stellte einen erhöhten Alkoholspiegel fest und der Führerschein war erst einmal weg.

Später gehörte er zu der Mannschaft, die zum Geldverdienen zur Firma Beral nach Marienheide fuhr. Auch daran hängt noch die eine oder andere Geschichte.

Irgendwann verloren wir uns aus den Augen. Später hörte ich, dass er schwer erkrankte und verstorben ist.

Jürgen („Luigi“)

Den Spitznamen bekam er, so habe ich gehört, vom Erdkundelehrer Zimmer. Beim erstmaligen Kennenlernen der Klasse meinte er, das Jürgen so aussähe wie ein "Luigi" - wegen seines südländischen Äußeren. Luigi kam aus Burgen an der Mosel. Während der Schulzeit hatten wir wenig Kontakt miteinander.

Aber wir hatten eines gemeinsam: Wir blieben gemeinsam sitzen. Nach dem Abitur kam er nach Gießen, wo er zunächst Medizinische Dokumentation und später Medizin studierte. In Gießen wohnten wir über längere Zeit zusammen in einer Wohngemeinschaft. Über diese Zeit ist im Kapitel "Giessen" einiges festgehalten.

Olli

Olli kam aus Hoxel, etwa fünf Kilometer von Morbach entfernt, und fuhr wie wir mit dem Schulbus nach Bernkastel. Unser gemeinsames Terrain war die hinterste Sitzbank. Dort tummelte auch er sich am liebsten.

Olli war zwar eine Klasse unter mir, aber wir hatten eine ähnliche Wellenlänge. Er hatte immer einen Spaß auf Lager und war häufig der Mittelpunkt des Geschehens im hinteren Bereich des Schulbusses. Außerdem war er ein Meister im Erfinden von Spitznamen.

Nach dem Abitur sahen wir uns lange Zeit nicht mehr. Ich ging irgendwann in die USA, Olli in die Schweiz, wo er bis heute lebt.

In den letzten Jahren sehen wir uns wieder häufiger. Vielleicht auch deshalb, weil ihn die Sehnsucht nach der alten Heimat nicht losgelassen hat.

Andy

Andy kam aus Morbach und war wie der harte Kern meistens im hinteren Bereich des Schulbusses anzutreffen.

Er hatte einen wunderbaren, teilweise exzentrischen Humor. Traf dieser auf den von Olli, war das Ergebnis meist ein Spektakel, das die Busfahrt nach Bernkastel wie im Flug vergehen ließ.

Viele Erinnerungen an diese Zeit verbinden sich weniger mit einzelnen Ereignissen als mit diesem ständigen Gelächter, den Sprüchen und dem Gefühl, dass auf der hintersten Bank des Schulbusses immer etwas los war.

Später sahen wir uns nur noch sporadisch.

Klassenkameraden

Nicht alle wurden enge Freunde. Manche gehörten einfach selbstverständlich zum Alltag einer Schulklasse und sind deshalb in Erinnerung geblieben.

Bibeth

Bibeth war eine tolle Frau: aufgeschlossen, lebensbejahend und bei manchen Aktionen dabei. Gemeinsam spielten wir in einem Schauspielstück mit. Damals war ich ein wenig in sie verliebt. Wie ich später hörte, war das wohl sogar gegenseitig. Aus uns wurde trotzdem kein Paar. Bis heute stehen wir gelegentlich per E-Mail in Kontakt.

Jutta

Jutta war immer etwas geheimnisvoll. Sie stammte wie Jürgen aus Wittlich und stieß später zu unserer Klasse. Ich mochte sie wegen ihrer natürlichen Art und ihrer Gradlinigkeit. Sie gehörte zu den Menschen, die man nicht ständig im Mittelpunkt sah, die aber trotzdem in Erinnerung bleiben.

Helene

Helene war so etwas wie eine Anführerin. Sie hatte oft das Wort und dazu eine bemerkenswerte Anzahl flotter Sprüche auf Lager. Meist war sie gemeinsam mit Anette unterwegs. Beide kamen aus Kues und gehörten zu den selbstbewussteren Persönlichkeiten unserer Klasse.

Anette

Anette und Helene gehörten für mich irgendwie zusammen. Wie Helene war auch Anette schlagfertig, eloquent und selbstbewusst.

Ich mochte beide sehr. In den Schulleistungen waren sie ungefähr so unterwegs wie die meisten von uns. Überhaupt war keiner meiner Freunde ein Schul-Ass. Das war vermutlich einer der gemeinsamen Nenner.

Nach dem Abitur

Nach dem Abitur trennten sich die Wege. Das war damals selbstverständlich. Wer zum Studium ging, zog oft in eine andere Stadt. Andere begannen eine Ausbildung, gingen zur Bundeswehr oder schlugen ganz andere Wege ein.

Manche Menschen verschwanden für Jahrzehnte aus dem Blickfeld. Von einigen hörte man gelegentlich etwas. Andere tauchten plötzlich wieder auf, als hätte man sich erst gestern gesehen.

Rückblickend ist es erstaunlich, wie viele Erinnerungen geblieben sind. Nicht unbedingt an Zeugnisse, Noten oder Unterrichtsinhalte, sondern an Menschen. An gemeinsame Busfahrten, Weinfeste, Streiche, Konzerte, Diskussionen und die vielen kleinen Ereignisse, die damals selbstverständlich erschienen und heute einen großen Teil der Erinnerung ausmachen.

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