Neun Jahre verbrachte ich am Gymnasium Bernkastel-Kues.
Es war der prägende Ort meiner Jugend. Hier lernte ich Freunde kennen, die mich bis heute begleiten. Hier traf ich Lehrer, die ich respektierte, und andere, die ich lieber vergessen hätte. Hier entstanden viele der Geschichten, die ich auf diesen Seiten erzähle.
Ich war kein idealer Schüler und schon garkein Mitläufer. Ich sagte meine Meinung und fiel damit auf. Zusammen mit meinen Freunden Manni und Pipa wurde ich deshalb häufiger in das Büro des Direktors "eingeladen".
Rückblickend beschäftigt mich die damalige Situation doch noch sehr. Viele von uns galten als schwierig, wenig leistungsbereit oder als schlechte Schüler. Dabei fehlte es nicht an Talent. Manni, Luigi, Algier und andere haben später gezeigt, was in ihnen steckte. Das Problem war vielleicht weniger mangelnde Begabung als mangelnde Begeisterung.
Unsere Schule verstand es kaum, junge Menschen für etwas zu gewinnen. Wer nicht ins Raster passte war Störenfried. Individualisten galten eher als Problem denn als Chance. Dabei sind es oft gerade die unangepassten Menschen, die anders Denkenden, die später neue Wege gehen.
Ich bedaure, dass es unseren Lehrern nur selten gelang, in uns Neugier, Begeisterung und Selbstvertrauen zu wecken. Wir waren unfertige Menschen. Man hätte uns formen, fördern und vielleicht sogar begeistern können.
Diese Erfahrung hat mich später geprägt. Als Arzt und Wissenschaftler habe ich versucht, junge Mitarbeiter nicht nur auszubilden, sondern für eine Sache zu gewinnen. Ich habe Studenten und junge Ärzte gefördert, Kontakte vermittelt, Stipendienanträge geschrieben und versucht, Türen zu öffnen. Nicht weil jeder erfolgreich werden muss, sondern weil in jungen Menschen oft mehr steckt, als auf den ersten Blick sichtbar ist.