Kreative Sportskanonen

Sportunterricht, Aschebahn und unsere eigene Auslegung von Ausdauerlauf.

etwa 1972

Pipa, Manni und ich waren eine eingeschworene Gemeinschaft. Wir waren alle bereits einmal sitzen geblieben. Nicht etwa, weil wir intellektuell nichts draufgehabt hätten. Das schon. Aber wir nahmen es mit den schulischen Pflichten nicht so genau und machten uns das Leben lieber angenehm. Die eine oder andere Abkürzung nahmen wir dabei auch schon mal.

So auch im Sportunterricht. Grundsätzlich hatten wir nichts gegen Bewegung. Aber möglichst nicht unter Anleitung und schon gar nicht mit Leistungsdruck.

An eine Episode kann ich mich noch besonders gut erinnern. Unser Sportlehrer Kreber hatte uns mehr oder weniger bereits aufgegeben. Für uns war das kein Problem. Eines Tages ging es auf die Aschebahn oberhalb des Gymnasiums. Aufgabe: fünf Runden auf der 400-Meter-Bahn, also insgesamt 2000 Meter. Kreber stand am Rand der Bahn in Richtung Gymnasium. Auf der gegenüberliegenden Seite lag die Hochsprunggrube. Sie war leicht erhöht, sodass man nicht sehen konnte, was dahinter geschah. Genau dort setzte unser kreatives Denken ein.

Die erste Runde liefen wir noch brav mit allen anderen. In der zweiten Runde verschwanden wir hinter der Hochsprunggrube, legten uns gemütlich ins Gras und warteten, bis das Feld wieder vorbeikam. Während die anderen sich Runde um Runde abkämpften, ruhten wir uns aus. Erst kurz vor Schluss stiegen wir wieder ein, gaben auf den letzten Metern Vollgas, überholten das führende Feld und erreichten ausgeruht das Ziel – mit einer geradezu hervorragenden Gesamtzeit.

Ich weiß bis heute nicht, ob Kreber unsere zwischenzeitliche Abwesenheit überhaupt bemerkte. Wahrscheinlich war es ihm einfach egal.