Partys in Krofdorf-Gleiberg

Badewannen-Schnaps, offene Türen und Gäste, die besser nicht alles wussten.

Links oben: ich mit Hilde und Uschi; unten: Luigi, Manni, Wolfgang. Rechts: Jan aus dem Labor (links) und ich.

Mitte der 1970er Jahre

Es gibt solche und solche Studenten-WGs. Wir waren eine solche.

Die WG befand sich in Krofdorf-Gleiberg, mit Blick auf Gießen. Wolfgang, Manni, Bernd und Werner hatten je ein Zimmer in der Einliegerwohnung. Wolfgang das kleinste, Werner das dunkelste – ohne Fenster, aber mit einem Oberlicht. Das sollte später noch Folgen haben.

Die Vier zogen gegen Ende 1973 ein. Und brachten ihren individuellen Freundeskreis mit. Wolfgang seine trinkfesten Freunde aus dem Lüneburger Internat, Manni die Hunsrückfraktion, zu der wir auch gehörten, und Bernd und Werner, die beide aus Saarlouis stammten, ihre Saarland-Connection. Bernd als eher etwas zurückhaltend-konservativer Mensch entsprechende Freunde. Und Werner mit seinen Freunden aus dem "Milieu": Motorradfahrer, Typen mit zwielichtigem Hintergrund und einen Haufen hübscher Frauen. Dazu kamen noch Studenten aus den Semestern der vier WG-Mitglieder, Hunsrücker und andere Verrückte.

Eine Mischung, die viel versprach – und hielt.

Der Empfang war "persönlich". An der Eingangstür wartete Manni, mit einem Baseballschläger bewaffnet. Vor ihm Werner, der ein leckeres Schnapsgemisch in Eierbechern servierte. Wer nicht mindestens einen Eierbecher auf ex trank, musste mit Mannis Einschreiten rechnen. Das galt auch für die Frauen. Es war nicht notwendig, denn die Gäste ergaben sich gerne den Wünschen der Gastgeber. Schließlich war eines der Eintrittskriterien: Trinkfestigkeit.

Was die Gäste nicht wussten war, wie das lecker schmeckende Schnapsgetränk zubereitet worden war. Der Studentenhaushalt war nur spartanisch mit Kochutensilien ausgestattet. Es gab keine ausreichend großen Behälter, um die benötigten Getränkemengen herzustellen. Das „Geheimrezept“ stammte aus der Lüneburger Internats-Connection. Was dort getrunken wurde musste billig sein.

Das Rezept war einfach. Man nehme den billigsten Schnaps, der verfügbar war, und überdecke den Geschmack mit süßem Fruchtsaft. Das Ergebnis: Schnaps mit Tri-Top. Wunderbar. Wenn man mehr als fünfzig Gäste erwartete, dann mussten einige Liter Schnaps und Tri-Top zusammengemischt werden. So insgesamt 15 bis 20. Aber wo bekommt man einen so großen Behälter her? Gar nicht. Man hatte ja eine Badewanne.

Sie wurde ordentlich geschrubbt und dann wurden die Zutaten hineingegossen, gemischt und wieder in Flaschen abgefüllt. Sehr ökonomisch. Und geschmeckt hat man den Mischprozess ohnehin nicht. Was übrig blieb, wurde in einem Bottich für später zwischengelagert.

Partys in Krofdorf-Gleiberg

Nach einer langen Partynacht war ich leicht ermattet. Trotz Augenspiegel wurde ich kein Augenarzt.

Die Party konnte losgehen! Getränke waren ausreichend vorhanden. Bier aus dem Fass gab’s auch. Beim Essen waltete Sparsamkeit. Fünf bis zehn große Salamiwürste und einige Laibe oberhessisches Brot mussten reichen. Niemand kam wegen des Essens!

Und dann das Programm. Motto: einfach, aber geschmacklos. Volle Dröhnung Musik und Getränke. Es wurde getanzt und man ging nach draußen zum Abkühlen – zum Entsetzen der gutbürgerlichen Nachbarschaft. Denn es war laut. Und wenn ich laut sage, dann meine ich richtig laut.

Es war nur eine Frage der Zeit, wann die Polizei von den Nachbarn wegen nächtlicher Ruhestörung um Einschreiten gebeten wurde. Es gab erst Gejohle, dann wurde die Musik leise gestellt, bis die Polizei abgezogen war, und dann ging’s von vorne los.

Zu fortgeschrittener Zeit kam man dann zu den Mutproben: Wer kann sich überwinden und die Tropfschale unter der Zapfanlage mit dem abgestandenen, warmen Bier auf ex zu leeren? Hier war wahres Können gefragt. Ein Freiwilliger fand sich immer. Und Applaus war garantiert.

Und dann der übrig gebliebene Bottich mit dem Tri-Top-Gebräu. Wir machten uns nicht mehr die Mühe, den Rest in Flaschen abzufüllen. Der Bottich wurde einfach reihum gereicht und in großen Zügen gemeinsam geleert. Und all das spielte sich im kleinsten Raum der WG ab, der drei Quadratmeter großen Küche. Legendär!

Das eben Geschilderte ergab die Blaupause für viele weitere Partys. Und als Uwe, Luigi und ich einzogen, ging es ähnlich weiter. Nur die Gäste waren andere – meist aus dem Dunstkreis, der in Atzes Kneipe in Morbach verkehrte. Das Ergebnis war ähnlich.

Eine Änderung gab es allerdings: Die Nachbarn rächten sich beim Bauamt mit dem Argument, es dürften in der Wohnung lediglich drei Räume vermietet werden. Denn Werners Zimmer sei dunkel und ein Kellerraum. So waren wir zu dritt und hatten ein Gästezimmer für die vielen von auswärts anreisenden Gäste. Auch nicht schlecht!

Die Gleiberg-Feten waren berühmt-berüchtigt. Die Nachbarn atmeten auf, als wir irgendwann auszogen. Ein bischen verstehen konnten wir sie ja schon.....