Von Neukaledonien ging es weiter nach Jakarta. Zunächst war es allerdings nur die erste Etappe bis Sydney. Der Flug dauerte etwa drei Stunden. Unter uns lagen die türkisfarbenen Korallenriffe des Südpazifiks, später auch Teile des Great Barrier Reef. Schon allein dieser Anblick lohnte den Fensterplatz.
In Sydney hatten wir einige Stunden Aufenthalt. Australien hatten wir bei unserer Weltreise bewusst ausgelassen. Uns war klar, dass ein Kontinent wie Australien mehr Zeit verdient als ein paar Tage. Wir wollten irgendwann noch einmal zurückkommen und das Land in Ruhe bereisen. Tatsächlich erfüllten wir uns diesen Wunsch erst 36 Jahre später, im Jahr 2023.
Dann hob die UTA-Maschine wieder ab. Stundenlang flogen wir über das australische Outback. Unter uns erstreckte sich eine scheinbar endlose Landschaft aus roter Erde, vereinzelten Gebirgszügen und kaum sichtbaren Straßen. Anfangs war das faszinierend, irgendwann wurde es fast monoton. Kilometer um Kilometer zog dieser rote Kontinent unter uns vorbei. Erst viele Stunden später verschwand Australien schließlich hinter dem Horizont und wir erreichten die Tropen.
Mit dem Wechsel der Klimazone änderte sich schlagartig auch der Flug. Plötzlich gerieten wir in heftige Turbulenzen. Das Flugzeug wurde kräftig durchgeschüttelt. Wer gerade auf dem Weg zur Toilette war, hatte Mühe, überhaupt auf den Beinen zu bleiben. Manche Passagiere wurden regelrecht gegen die Kabinenwand geschleudert. Nach einer guten halben Stunde beruhigte sich die Maschine wieder und kurz darauf kam eine Durchsage aus dem Cockpit. Ob sich ein Arzt an Bord befinde.
Ich meldete mich und wurde zu einem Passagier geführt. Er war deutlich übergewichtig und hatte starke Schmerzen im rechten Oberbauch. Für mich sprach vieles für eine Gallenkolik. Viel tun konnte ich in zehntausend Metern Höhe natürlich nicht. Medikamente gab es kaum, diagnostische Möglichkeiten überhaupt keine. Also sprach ich mit ihm, beruhigte ihn und blieb bis zur Landung neben ihm sitzen. Beim Aussteigen bedankte er sich kurz. Das war alles. Damals dachte ich nicht weiter darüber nach. Im Nachhinein hätte ich mich allerdings schon gefreut, wenn sich auch die Fluggesellschaft wenigstens kurz erkenntlich gezeigt hätte. Für mich war es selbstverständlich gewesen zu helfen.
Dann erreichten wir den Flughafen Jakarta. Als wir aus dem Fenster schauten sah es aus wie San Francisco im Nebel. Es war aber kein Nebel. Das war die extreme Luftfeuchtigkeit Jakartas! Ich erinnere mich noch sehr genau an den Ausstieg aus dem Flugzeug. Es war, als würde man direkt in eine Sauna einsteigen. Diese feuchtwarme Luft hatte ich noch nie erlebt. Gleichzeitig schien der Flughafen aus allen Nähten zu platzen. Überall Bewegung, überall Stimmen einer uns völlig fremden Sprache. Nach den weiten Landschaften Neuseelands mit seinem gemäßigten Klima erreichte uns ein wahrer Kulturschock. Es wimmelte nur so von Menschen. Wie Ameisen! Wir waren in einer anderen Welt angekommen.
Anfangs hielten wir unsere Rucksäcke krampfhaft fest. Wir hatten Sorge, bestohlen zu werden. Diese Angst legte sich langsam. Die Menschen waren freundlich und hilfsbereit. Was uns zunächst irritierte, war lediglich, dass man sich hier viel näher kam. Der persönliche Abstand zwischen den Menschen war deutlich geringer als in Europa oder den USA. Daran mussten wir uns erst gewöhnen.
Bis wir schließlich den Transitbereich erreichten, mussten wir gefühlt unzählige Kontrollen passieren. An jeder Ecke stand ein Uniformierter, der erneut den Pass sehen wollte. Unser amerikanischer Reisebekannter Jim machte es deutlich geschickter. Er engagierte kurzerhand einen Flughafenmitarbeiter, drückte ihm ein paar Dollar in die Hand und wurde ohne jede Verzögerung an sämtlichen Warteschlangen vorbeigeführt. Wenige Minuten später war er verschwunden, während wir immer noch von Schalter zu Schalter geschickt wurden.
Eigentlich wollten wir noch am selben Abend mit Garuda Indonesia nach Bali weiterfliegen. Den Flug hatten wir jedoch knapp verpasst. Also blieb uns nichts anderes übrig, als die Nacht im Transitbereich zu verbringen. Dort nahm man uns zunächst die Pässe ab. Ein Beamter verschwand damit hinter einer Tür und ließ sich eine ganze Weile nicht mehr sehen. Außerdem kassierte er eine stattliche Summe Bargeld. Als er schließlich zurückkam, fehlte vom Wechselgeld jede Spur. Erst als ich mich lautstark beschwerte, wurde plötzlich doch noch gerechnet, und widerwillig erhielten wir den Restbetrag zurück. Offenbar hatte der Mann gehofft, wir würden uns nicht trauen nachzufragen.
Das eigentliche Transithotel war bereits überfüllt. Statt eines Zimmers bot man uns einen stickigen Aufenthaltsraum mit Matratzen auf dem Boden an. Darin standen lediglich zwei Kühlschränke mit Getränken. Sie hatten schon bessere Tage erlebt. Es brummte und schepperte. Schlaf war bei dieser Hitze und dem Lärm praktisch unmöglich. Irgendwann in der Nacht öffnete ich einfach einen der Kühlschränke und wir gönnten uns jeweils eine eiskalte Limonade. Nach dieser Sauna schmeckte sie wie das beste Getränk unseres Lebens.
Erst gegen Morgen wurden nach und nach Zimmer frei. Eines davon bekamen schließlich wir. Es war klimatisiert. Vielleicht schliefen wir nur ein oder zwei Stunden, aber dieser kurze Schlaf fühlte sich an wie eine ganze Nacht.
Kurz darauf saßen wir in der Garuda-Maschine nach Denpasar. Der Flug selbst war unspektakulär und dauerte nur gut zwei Stunden. Als wir auf Bali landeten, wussten wir, dass wir an einem ganz besonderen Ort angekommen waren. Es sollte sich als einer der Höhepunkte unserer Reise erweisen.