Eigentlich hatte ich im Mai 2019 mein Berufsleben beenden wollen. Nach dreizehn Jahren als Chefarzt in Berlin-Buch war ich der Meinung, dass es nun genug sei. Doch dann kam ein Angebot aus Frankfurt (Oder). Dort war die Kinderklinik seit mehreren Jahren ohne regulären Chefarzt, und man suchte jemanden, der sie medizinisch und organisatorisch neu aufstellen sollte. Ich ließ mich darauf ein, allerdings mit einer klaren Begrenzung auf zwei Jahre.
Die Aufgabe interessierte mich. Die Klinik verfügte über eine leistungsfähige Neonatologie, hatte aber erhebliche personelle und organisatorische Probleme. Ich wollte die vorhandenen Strukturen verbessern, neue medizinische Schwerpunkte entwickeln und das Kinderzentrum langfristig zukunftsfähig machen. Mit der Geschäftsführung und dem Ärztlichen Direktor verstand ich mich ausgezeichnet. Bei manchen Mitarbeitern und Kollegen stießen meine Vorstellungen dagegen auf weniger Begeisterung.
Weniger erfreulich war mein Verhältnis zur Stadt. Hilde und ich hatten uns zunächst eine schöne Dreizimmerwohnung in der Oberstadt genommen. Allerdings wurden wir mit Frankfurt (Oder) nicht warm. Die Nachbarn waren überwiegend abweisend, das gesellschaftliche Leben ziemlich provinziell, und manche Verhaltensweisen erinnerten mich an die alte DDR-Mentailität. Nach einem Jahr gaben wir die Wohnung wieder auf. Anschließend fuhr ich täglich von Berlin nach Frankfurt (Oder) und zurück. Das waren rund zweihundert Kilometer am Tag, überwiegend auf der A10 und der A12. Dafür konnten Hilde und ich wieder vollständig in Berlin leben.
Im Sommer 2021 endete meine zweijährige Tätigkeit. Ich hatte engagierte Mitarbeiter kennengelernt, organisatorische Veränderungen angestoßen und erlebt, wie unterschiedlich Menschen mit Verantwortung umgehen. Aus meinem ursprünglich geplanten Ruhestand mit 66 Jahren war schließlich einer mit 68 geworden. Aber anschließend ging es ja noch einmal weiter mit einem Startup-Unternehmen.