Die Probefahrt

Drei VW, fünf junge Fahrer und eine Kurve mit Rollsplit.

Es muss so um 1972 gewesen sein. VW stellte seine neuen Modelle vor und brachte für die Händler ein Programm heraus, bei dem neue Fahrzeuge für Probefahrten zur Verfügung gestellt wurden. Wir hatten gerade den Führerschein und waren der Meinung, das sei genau unser Programm. Wir würden mal richtig über Land fahren und unsere Fahrkünste ausloten. Also gingen wir zu Auto Decker.

Wir bekamen drei Autos und waren zu fünft: Manni, Loisel, Kajo, ich und noch jemand. Ich weiß nicht mehr, wer das war. Ich fuhr mit Kajo, Manni alleine. Wir fanden das Programm klasse. VW und Auto Decker hatten einen Stein im Brett bei uns. Wer weiß, vielleicht würden wir ja irgendwann einmal Kunden bei VW. Falls das mit unserer Karriere etwas werden würde. Danach sah es gerade nicht unbedingt aus. Das meinte auch unser Direx auf dem Gymnasium. Aber wer kann schon in die Zukunft sehen.

Jetzt war erst einmal der Nachmittag mit Spaß erfüllt. Wir fuhren quer durch den Hunsrück, über die Mosel in die Eifel. Irgendwann kamen wir auch nach Osann-Monzel. Die Straße in den Ort war frisch aufbereitet. Mit Split. Ich glaube, die ersten vier Mann waren schon durch. Manni startete in seinem K70 die Aufholjagd. Er hatte einen guten Lauf. Bis auf eine Kleinigkeit, die er nicht eingeplant hatte: Rollsplit.

Er legte sich sanft in die Kurve, ähnlich wie Hans-Joachim Stuck, und landete mit seinem K70 in der Mauer eines Vorgartens, direkt neben einer Mistgrube.

Mist, dachte sich Manni vermutlich auch.

Das Auto war Totalschaden. Manni war nichts passiert. Der Totalschaden war ihm allerdings peinlich, und ich weiß nicht mehr alle Details des Nachspiels. Es gab wohl eine Ermahnung. VW kam für den Schaden auf.

Auto Decker gab uns ab diesem Zeitpunkt keine Autos mehr zum Probefahren.

Aber: Manni kaufte sich während seiner Berufsjahre später einen Phaeton mit allem Schnickschnack, inklusive Sektkühlschrank im Heck. Ich glaube, VW und er sind irgendwie quitt geworden.