Manche Eindrücke der frühen Kindheit begleiten einen lebenslang. Oft sind es nur flüchtige Momente – manchmal Augenblicke, die für immer haften bleiben. So habe ich immer noch lebhaft in Erinnerung einen Ausflug mit meinem Vater.
Es muss in den späten 1950ern gewesen sein. Wir hatten noch kein Auto – so wie viele im Dorf. Aber mein Vater hatte bereits die Kreidler Florett. Immerhin. Man war einigermaßen mobil.
Sonntags nach dem Hochamt in der St. Anna-Kirche gingen die Männer regelmäßig zum Frühschoppen. Man traf sich, trank etwas und tauschte Neuigkeiten aus, die sich während der Woche zugetragen hatten. Die Mütter blieben zuhause und bereiteten das Mittagessen vor. Überall im Dorf roch man bereits den Sonntagsbraten. Meist blieben die Kinder bei den Müttern und vertrieben sich die Zeit mit Spielen.
Doch an diesem einen Sonntag im Frühling durfte ich mit meinem Vater zum Frühschoppen fahren – hinter ihm auf der Kreidler. Es ging nach Wenigerath, doch nicht über die bereits bestehende Hunsrückhöhenstraße. Ich denke, dieser Weg erschien ihm wegen des Verkehrs mit einem Fünfjährigen hinter sich etwas zu gefährlich.
So fuhren wir gemütlich über die Bischofsdrohner Straße vorbei an der Dreschmaschine, dem Schwimmbad und dem Sägewerk hinein nach Bischofsdhron. Dort nahmen wir dann die Abzweigung links nach Wenigerath zum Gasthof Gemmel.
Die Fahrt war eigentlich aus heutiger Sicht banal. Für mich als Fünfjähriger aber etwas ganz Besonderes. Ich saß hinter meinem Vater, hielt mich fest mit beiden Armen, rückte dicht an ihn heran und legte meine Wangen an seinen starken Rücken.
Der warme Maiwind strich mir durch die Locken, und die Frühlingslandschaft zog an uns vorbei. Der Klang des Mopeds wurde gleichmäßig und vertraut. Ich war geborgen.
Zu der Geschichte gibt es einen Song in der "Song"-Sektion