Sommer im Schwimmbad

Sommerferien, Wasser, Freiheit und das Gefühl endloser Tage.

Im Sommer zog es uns fast täglich ins Schwimmbad, unser kleines Paradies am Rande von Morbach. Es lag etwa einen Kilometer außerhalb des Dorfes, und schon der Weg dorthin war für uns Kinder ein Erlebnis. Es gab weder Autos noch Busse. Also mussten wir zu Fuß losmarschieren. Vorbei an der Bischofsdrohner Straße, die mehr aus Schlaglöchern als aus Teer zu bestehen schien. Hier und da war mal etwas notdürftig geflickt, aber das war uns egal. Hinter dem Ort ging es an der Dreschmaschine vorbei weiter über einen staubigen Feldweg. Und dann, endlich, lag es vor uns: das Schwimmbad.

Das Wasser kam direkt aus dem Hochwald - eiskalt, klar und ohne Chlor. Für heutige Verhältnisse spartanisch, aber für uns damals das pure Glück. Nach der Schule, wenn wir zu Hause gegessen hatten, zogen wir los – mit Handtuch, Badehose und ein paar Butterbrote von Mutti im Gepäck. Wir breiteten unsere Decke aus, warfen alles in die Ecke und waren sofort im Wasser oder tollten herum, lachten, sprangen, plantschten. Wir waren einfach Kinder, stundenlang.

Irgendwann, am späten Nachmittag, erklang dann die „Betglock“ – das Glockengeläut der Kirche, das jeden Abend kurz vor sechs durch das Dorf hallte. Für uns war das das Zeichen, daß wir jetzt los, nach Hause mußten.

Nach dem Friseurbesuch

Der Rückweg hatte etwas Magisches. Es war warm, die Sonne stand schon tief und tauchte alles in ein angenehmes Licht. Wir liefen vorbei an frisch gemähten Feldern. Wie das duftete! Die Bauern hatten in der prallen Mittagssonne das Heu schon auf Wagen getürmt. Anschließend saßen sie selbst oben auf der Ladung, verschwitzt und erschöpft. Dort oben thronte sie gemütlich, während ihre Ochsen – keine Traktoren – gemächlich den Wagen Richtung Hof zogen. Das Knarzen der Räder, das gedämpfte Schnauben der Tiere, das entfernte Läuten der Glocken. Das war unsere Klangkulisse auf dem Heimweg.

Und während wir liefen, wurde der Kohldampf immer größer. Zuhause wartete kein großes Essen. Einfach nur Abendbrot. Aber wie gut das schmeckte, wenn man den ganzen Tag draußen war! Der Tisch war schon gedeckt, und wir kamen heim. hHungrig, müde, sonnenverbrannt und glücklich.