Skifahren an der Lay

Mit Schlitten und Skiern den Hang hinunter.

Wenn im Winter Schnee lag, waren wir Kinder an den Hängen in und um Morbach anzutreffen. Kaum waren die Hausaufgaben erledigt, ging es nach draußen. Die Oberdörfer trafen sich am Minnebecks Berg, wir Unterdörfer an der Lay.

Dorthin gelangte man zwischen der Winterschule und der Praxis von Dr. Dörr hindurch, über die Hunsrückhöhenstraße und dann hinunter Richtung Dhrontal. Die Lay hatte gegenüber dem Minnebecks Berg einen entscheidenden Vorteil: Der vordere Teil des Hanges war eher sanft, der hintere dagegen schön steil. Vorne konnte man üben, hinten später sein Können unter Beweis stellen.

Alle rückten an, die meisten mit einem Holzschlitten nach Davoser Art – einem schlichten Holzgestell auf Eisenkufen. Manche hatten auch Skier: einfache Holzlatten mit einer Federbindung, die an den Winterschuhen befestigt wurde. Die Ausrüstung spielte allerdings nur eine Nebenrolle. Entscheidend war, wer am schnellsten und möglichst unfallfrei den Hang hinunterkam. Und zwar den steilen Teil.

Mit dem Schlitten fuhr man natürlich nicht sitzend, sondern „bauchertches“, also mit dem Kopf voraus. Stürze blieben dabei nicht aus, gingen aber meist glimpflich aus. Schließlich befanden wir uns nicht auf dem Erbeskopf, der „richtigen“ Hunsrücker Skiabfahrt.

Und die Nachmittage wurden lang. Schluss war erst, wenn die Betglock läutete oder sich an den Wollhandschuhen Eiszapfen gebildet hatten. Gepolsterte, wasserabweisende Kunststoffhandschuhe gab es damals noch nicht. Irgendwann „pifferten“ die Hände – sie begannen vor Kälte zu schmerzen. Wenn das nicht schon am Hang geschah, dann spätestens zu Hause. Dort strahlte der Holzofen zwar wohlige Wärme aus, doch beim Auftauen schmerzten die Finger oft so sehr, dass einem die Tränen kamen.

Als Trost gab es einen Bratapfel und die Gewissheit, dass wir am nächsten Wintertag wieder zur Lay konnten.