Schulweg und Spielzeug

Schaufenster, Wünsche und die Magie eines Spielwarenladens.

Ende der 1950er-Jahre waren wir Grundschüler. Täglich gingen wir unseren Schulweg von der Bernkasteler Straße über die Hebegasse bis zum Schulhof. Die Hebegasse war damals noch verkehrsberuhigt. Der untere Abschnitt – vom heutigen Café Risch bis zur Einmündung in die Bahnhofstraße – war eine Spielstraße, die als Einbahnstraße nur von der Bahnhofstraße zur Bernkasteler Straße befahren werden durfte. Das Dorf war sicher. Dass Eltern ihre Kinder zur Schule brachten, war unüblich – wir fanden unseren Weg selbst. Morgens gingen wir zielstrebig, auf dem Heimweg jedoch mit vielen Pausen, denn es gab immer etwas zu entdecken.

Auf dem Nachhauseweg – meist gemeinsam mit Jonny von der Aral-Tankstelle – blieben wir gern vor den Schaufenstern der Spielwarengeschäfte stehen. Es gab zwei davon: Spielwaren Decker oberhalb der Bahnhofstraße und Spielwaren Thömmes an der Stelle des heutigen Cafés. Besonders zog uns das große Schaufenster von Thömmes an. Dort saßen wir oft auf dem breiten Absatz, die Nasen dicht an die Scheibe gedrückt, und verloren uns staunend in der kleinen Welt dahinter – zwischen all den Dingen, die wir uns wünschten.

Thömmes Spielwarenladen in der Bahnhofstraße, 1960er-Jahre
Der Spielwarenladen Thömmes. Das Ausstellungsfenster ist ganz rechts hinter dem VW Käfer zu sehen.

Manchmal gingen wir auch hinein. Einige Stufen führten hinauf, dann nach rechts in den abgeschlossenen Spielwarenbereich. Um dorthin zu gelangen, musste man zunächst in den linken Ladenbereich, wo Schreibwaren und Zeitschriften verkauft wurden, und bei Herrn „Bittschön“ um Einlass bitten.

Der Streifzug durch den Spielwarenladen war jedes Mal ein kleines Erlebnis. Wir gingen ohne festen Plan durch den Raum, nahmen Spielsachen in die Hand und probierten hier und da etwas aus. Mit großen Augen sahen wir uns um und entdeckten immer wieder Neues.

Der besondere Geruch – eine Mischung aus Holz und Linoleum – ist mir bis heute geblieben. Und irgendwie merkten wir uns genau, was uns am besten gefiel – denn der nächste Geburtstag kam bestimmt.