Politik ist Bewegung. Zumindest sprachlich. Friedrich Merz erklärte im Juli 2026, seine Regierung habe im ersten Jahr „sehr viel auf den Weg gebracht“. Digitalminister Karsten Wildberger berichtete im April, mit der Modernisierungsagenda Bund sei „Vieles auf den Weg gebracht worden“; auch bei den Genehmigungsverfahren seien „viele Dinge … auf den Weg gebracht worden“. Finanzminister Lars Klingbeil ist besonders fleißig. „Wir haben das Sondervermögen von 500 Milliarden Euro auf den Weg gebracht“, erklärte er. Zwei Haushalte habe man ebenfalls auf den Weg gebracht. Die Unternehmen seien auf dem Weg zur Entlastung, der Deutschlandfonds sollte auf den Weg gebracht werden und die private Altersvorsorge gleich hinterher. Im Februar konnte Klingbeil bereits vermelden: „Wir haben die Stärkung der Betriebsrenten auf den Weg gebracht.“
Auf diesem Weg muss ganz schön was los sein. Aber wo liegt er eigentlich?
Er muss sich wohl in Berlin befinden, wegen der Kürze der Entfernung. Wahrscheinlich irgendwo zwischen Bundestag und Kanzleramt. Ich denke, wenn alle alles dort hin bringen, dann muss der Weg wohl mittlerweile total zugemüllt sein. Haushalte, Sondervermögen, Rentenreformen, Bürokratieabbau, Genehmigungsverfahren, Betriebsrenten und Modernisierungsagenden: alles landet dort. Und da liegt der ganze Schrott jetzt rum! Im Juli meldete die Bundesregierung allein rund zehn Milliarden Euro an Entlastungen, die ebenfalls „auf den Weg gebracht“ worden seien. Auf dem Weg herrscht wohl mittlerweile das absolute Chaos!
Als Mann der Tat habe ich gedacht: ich suche den Weg einfach mal mit Google Maps selbst. Hinterm Kanzleramt habe ich als erstes geschaut. Aber da war nichts! Kein Weg und kein Müll. Aber vielleicht ist Google in Deutschland einfach noch nicht schnell genug - anders als beim Golf von Mexiko, äh, Amerika. Vielleicht gibt es in der Nähe ein unscheinbares, freies Gelände mit einem großen, blauen Schild und der Aufschrift: Politische Vorhaben – alle Richtungen. Dahinter und auf dem Weg wahrscheinlich kilometerlange Reihen abgestellter Maßnahmen. Manche erst kürzlich angeliefert, andere wohl schon vor Jahren einfach mit der Schubkarre abgekippt. Irgendwo dazwischen das Sondervermögen von 500 Milliarden Euro, das wegen seines Gewichts schon die Fahrbahn zerbröselt.
Besonders gelungen finde ich einen ganz aktuellen Befund aus dem Bundestag. Noch vergangene Woche hieß es dort zur Modernisierungsagenda, es sei zwar „viel in die Wege geleitet worden“, aber die „Strecke vom Vorschlag zur Umsetzung“ sei noch zu weit. Der Weg existiert also auf jeden Fall. Nur: er ist noch nicht so richtig ausgeschildert. Und die Strecke dahin ist länger als gedacht!
Aha, das klingt logisch …. oder doch nicht? Egal, sollen andere sich um den zugemüllten Weg kümmern. Ich definitiv nicht. Ich habe schließlich genug mit meiner Teilzeittätigkeit als pensionierte Nervensäge und Blogger zu tun.
PS: Weiß einer zufällig was aus dem „Narrativ“ geworden ist? Darum scheint sich wohl niemand mehr so richtig zu kümmern. Wahrscheinlich sind alle auf dem Weg. Mir solls Recht sein.