Wäsche waschen, feiern im „Krippche“ und Ertze Mi

Eine Erinnerung an Waschküche, Jugend, rote Lampen und lange Nächte in Morbach.

1960er / 1970er Jahre

In den 60er- / 70er-Jahren gab es in Morbach eine Vielzahl von Kneipen. Die Auswahl war groß, aber alle schlossen gegen ein Uhr, auch Hansa, Treffpunkt und Pitters Bierkneipe. Und danach? Wohin sollten wir gehen? Meine Brüder und ich hatten eine Idee – und die hatte mit dem kleinen Anbau zwischen unserem Haus und der Scheune zu tun.

In diesem Anbau befanden sich zwei Räume. Einer davon, mit direktem Zugang zum Hof, war die Waschküche. Damals besaßen die meisten Haushalte noch keine Waschmaschine. Gewaschen wurde hier: In einem großen, holzbefeuerten Zuber wurde die Wäsche gekocht und anschließend in einer steinernen Wanne mit klarem Wasser ausgespült. Wäscheschleudern gab es auch noch nicht. Stattdessen wurde die nasse Wäsche durch den Wringer (eine Art Presse mit zwei Rollen) gedreht, kam auf der anderen Seite etwas trockener heraus und wurde anschließend draußen in der Wiese aufgehängt.

Neben der Waschküche lag ein kaum genutzter Abstellraum. Den wollten wir als Partyraum. Unsere Eltern hatten nichts dagegen – also legten wir los.

Wir, das waren meine beiden Brüder, Alli, Kurti, Schorsch und einige andere – und bei den Jüngeren vor allem Heiner und ich. Zunächst bedeckten wir den Boden mit Sägespänen aus der benachbarten Schreinerei, darauf kamen Bohlen und schließlich ein einfacher Holzboden. Der Raum war gerade einmal um die acht Quadratmeter groß. Also bauten wir entlang der Wände eine durchgehende, u-förmige Sitzbank. Links neben der Tür zur Waschküche stand ein Holzofen. Über der Sitzbank konstruierten wir eine Art Dach. In der Mitte des Raumes stand ein Tisch, darüber hingen zwei Lampen, die wir aus den Radnaben alter Ochsenkarren gebaut hatten. Das Licht war natürlich rot. Irgendwann stellten wir fest, dass uns der Raum mit seiner besonderen Beleuchtung und dem niedrigen Aufbau an eine Weihnachtskrippe erinnerte. So war der Name geboren: „Et Krippche“.

Wenn wir nach Kneipenschluss noch nicht nach Hause wollten, trafen wir uns mit anderen aus den Kneipen übrig Gebliebenen dort und feierten und tranken weiter – oft bis tief in die Nacht. Direkt nebenan wohnte Ertze Mi. Sie war schon um die Achtzig, hatte einen leichten Schlaf und bekam gut mit, wenn bei uns noch Betrieb war. Vor allem das rote Licht im „Krippche“ erschien ihr ziemlich suspekt und unheimlich, und sie machte sich sicher ihre eigenen Gedanken darüber, was dort vor sich ging.