Es war gegen Ende der 1950er Jahre. Es gab keine sozialen Medien und kaum Fernseher im Dorf. Und manchmal kam Langeweile auf. Aber wir wußten uns zu helfen und ließen uns etwas einfallen. Und wenn das Wetter gut war, spielte sich das Leben sowieso draußen ab.
Da wir in der Bernkasteler Straße wohnten, kurz vor der Abzweigung zum Unteren Markt, kam praktisch der gesamte Autoverkehr vorbei, der von der Mosel in Richtung Hochwald, genauer gesagt nach Birkenfeld oder Idar-Oberstein, unterwegs war. Das konnte man nutzen Also zählten wir Autos.
Das Spiel war einfach: Jeder bekam ein Blatt Papier, einen Bleistift und einen Stuhl, manchmal vielleicht auch nur einen Holzklotz. Dann saßen wir am Straßenrand und warteten. Vorher wurde festgelegt, wer welche Automarken zählen durfte. Damals gab es natürlich VW, im Grunde fast nur den Käfer, außerdem Opel und Ford. Und dann Autos, deren Namen man heute kaum mehr kennt. Und die als Marke ganz verschwunden sind oder jetzt anders heißen.
Wer kennt noch den NSU Prinz, die BMW Isetta und das Goggomobil, später Teil von BMW? Oder DKW, von uns „DeKa Wuppdich“ genannt, was später in Audi aufging? Oder an das "Cremeschnittchen", den damals populären Renault R4?
So saßen wir also am Rand der Bernkasteler Straße und machten Striche auf unser Papier. Für jedes Auto einen. Wer am Ende die meisten Fahrzeuge seiner Marke gezählt hatte, war der Sieger. Als Kinder spielten wir dieses Spiel im Dorf. Die Älteren gingen an die Hunsrückhöhenstraße, weil dort erheblich mehr Autos fuhren und das Zählen schneller ging.
Jedefalls konnte Zeitvertreib früher oft ganz einfach gehen.