Abenteuer auf dem Bleschbersch

Die Morbacher Müllkippe als Schatzinsel, Abenteuerspielplatz und Feuerwerksarena.

Bis in die 1960er Jahre hinein gab es nach meiner Erinnerung in Morbach keine geregelte Müllabfuhr. Was man nicht mehr gebrauchen konnte, verbrannte man auf dem eigenen Grundstück. Auch bei uns stand dafür ein größerer Betonbehälter im Hof, in den alles Brennbare hineinkam. War er voll, wurde er angezündet, und danach begann alles wieder von vorn. Was mit der Asche geschah, weiß ich nicht mehr – vermutlich landete sie auf dem „Bleschbersch“, wie die Morbacher ihre Müllkippe nannten.

Der „Bleschbersch“ lag an dem Weg, der vom Dreieck an der Hunsrückhöhenstraße hinauf in Richtung „Huuscht“ und ins Bocksbachtal führte. Wer Müll hatte, lud ihn auf den Wagen, fuhr hinauf und kippte ihn den Hang zur Hunsrückhöhenstraße hinab. Manchmal wurde das Ganze gleich vor Ort angezündet. Vom Dorf aus konnte man dann Rauch aufsteigen sehen, und wenn der Wind richtig stand, zog auch der Geruch bis zu uns herüber.

Heiner, Jonny und ich waren damals so um die neun Jahre alt, und solche Anblicke ließen uns nicht lange ruhig sitzen. Also machten wir uns auf den Weg – entweder „Unter der Lay“ durchs Dhronbachtal über das Stauwehr und dann nach rechts. Oder über die Bernkasteler Straße bis zum Dreieck und von dort nach links. Der Weg war uns vertraut, und je näher wir kamen, desto gespannter wurden wir, was uns erwarten würde.

Am „Bleschbersch“ angekommen, schauten wir uns erst einmal um. Für uns war das Ganze eine Mischung aus Abenteuerspielplatz und Schatzgrube. Es hatte sich immer etwas verändert, je nachdem, wer da gewesen war und was abgeladen worden war. Manchmal musste man über lose Haufen klettern oder vorsichtig am Hang nach unten gehen, um an interessante Dinge zu gelangen. Dabei war Geschick gefragt – und ein gutes Gleichgewicht.

Mit etwas Glück fanden wir dabei kleine „Schätze“, die wir stolz für uns beanspruchten. Sie hatten ihren eigenen Wert für uns, weil wir sie selbst entdeckt hatten. Daneben gab es noch eine andere Attraktion: die Feuer. Besonders spannend fanden wir es, leere Spraydosen oder alte Farbeimer oder beides gleichzeitig ins Feuer zu werfen und abzuwarten, bis alles mit lautem Knallen explodierte. Wir genossen unser privates Feuerwerk, auch weil uns das zugleich verboten und reizvoll erschien.

So verging die Zeit meistens zu rasch. Spätestens wenn die Betglock läutete, wussten wir, dass es Zeit war, den Heimweg anzutreten. Dann ging es zurück durchs Tal oder über die Straße, mit ein paar Fundstücken unter dem Arm und dem Gefühl, wieder einen besonderen Nachmittag erlebt zu haben.