Hausbrand in der Nachbarschaft

Eine Nacht voller Angst, Sirenen und der Sorge, das eigene Zuhause zu verlieren.

Es wird im Jahr 1957 gewesen sein. Damals ereignete sich etwas, das sich mir tief eingeprägt hat. Die Nacht war hereingebrochen und wir Kinder schliefen bereits fest. Plötzlich heulten die Sirenen im ganzen Dorf. Nach meiner Erinnerung gab es damals keine Feuerwehrübungen und schon gar keine nächtlichen. Es musste also etwas Außergewöhnliches, Bedrohliches geschehen sein.

Bald waren wir selbst Teil dieses Geschehens. Das Bauernhaus der Familie Ernst Weyand brannte lichterloh. Zwischen ihrem Haus und unserem lag lediglich das Anwesen der Familie Kramp, mit dem wir Wand an Wand lebten. Und dieses wiederum befand sich in kaum mehr als zwei Metern Entfernung vom Brandherd. Wir waren bedrückt. Denn wenn das Feuer weiter um sich griffe, dann würde zuerst das Haus Kramp und dann unseres in Flammen aufgehen.

Meine Eltern reagierten in einer Weise, die auf uns heute fast hilflos wirkt. Meine Mutter stürmte auf den Dachboden und begann, in einer Mischung aus Entschlossenheit und Verwirrung alte Matratzen aus dem Fenster zu werfen – als ließe sich dem Feuer so etwas entgegensetzen. Mein Vater ging hinaus zum Brandherd, um sich ein Bild von der Lage zu machen. Wir Kinder mussten im Haus bleiben und warten.

Meine beiden Brüder waren wohl ebenfalls draußen, sodass ich mit meinen Schwestern allein zurückblieb. Ich war vier Jahre alt, meine älteren Schwestern 11 bzw. 16 Jahre. Wir saßen im Wohnzimmer, klammerten uns aneinander und versuchten, uns gegenseitig Trost zu spenden. Durch die Fenster drang das flackernde Licht des Brandes. Wir hörten das dumpfe Geräusch der Feuerwehrpumpen und die besorgten Rufe der Nachbarn und Helfer.

Obwohl wir uns in einiger Entfernung vom Brand aufhielten, war es in unserem Wohnzimmer glühend heiß. Die Zeit schien stillzustehen. Ich konnte nichts tun und wagte kaum zu atmen. All diese Eindrücke verdichteten sich für mich zu einem Gefühl des Grauens, Ausgeliefertseins und der existentiellen Bedrohung. Noch heute überkommt mich ein seltsames Gefühl, wenn ich mich in die damalige Situation zurückversetze.

Die tapferen Feuerwehrleute aus Morbach setzten alles daran, ein Übergreifen der Flammen zu verhindern. Schließlich gelang es ihnen, die dem Brand zugewandte Wand des Hauses Kramp so stark zu bewässern, dass sie standhielt. Die Nacht mit all der Ungewissheit zog sich bis in den Morgen hinein.

Das Haus Weyand brannte bis auf die Grundmauern nieder. Das Haus Kramp trug sichtbare Spuren davon, blieb aber bestehen – ebenso wie unseres.

Was bis heute bleibt, ist die Erinnerung an diese Stunden, in denen nicht klar war, ob unser Zuhause erhalten bleiben würde oder nicht.

Das Bild zeigt das abgebrannte Haus Weyand. Rechts davon das Haus Kramp und weiter rechts – auf dem Bild nicht sichtbar – war unser Haus. Im Hintergrund die Gerberei, die später ebenfalls abbrannte.