Klappern in der Karwoche

Wenn die Glocken nach Rom flogen und die Kinder mit ihren Klappern das Dorf beschallten.

Anfang der 1960er Jahre hatte meine Mutter mich in fast allen Dorfvereinen angemeldet – ob ich wollte oder nicht. Sie meinte, das sei gut für mich. Also war ich im Kinderchor, im Turnverein, bei den Pfadfindern und bei den Messdienern.

Messdiener zu sein war manchmal lästig. Man musste oft in die Kirche, nicht nur sonntags, sondern auch zu anderen Anlässen wie Sterbeämtern. Das war nicht immer spannend, vor allem wenn es früh war oder lange dauerte.

Aber es gab auch gute Seiten. Ab und zu konnte man Messwein stibitzen, ohne dass Pastor Weber es merkte. Klaus war darin besonders gut. Er wusste, wie man das anstellt. Klaus lebte gern auf großem Fuß und wurde später Friseurmeister mit eigenem Laden in München.

Manchmal bekamen wir auch Geld. Am besten waren Taufen. Wenn die Leute aus der Kirche kamen, drückten sie uns oft ein paar Mark in die Hand. Fünf oder sogar zehn Mark – das war für uns richtig viel Geld.

Am schönsten war aber die Kar- und Osterwoche. Von Gründonnerstag bis zur Osternacht schwiegen die Kirchenglocken. Sie seien nach Rom geflogen, sagte man. Stattdessen mussten wir mit unseren Klappern durch das Dorf ziehen.

Es gab einfache Ratschen, aber die mochten wir nicht besonders, weil sie nicht laut genug waren. Besser waren die Drehklappern mit Resonanzkasten. Wenn man an der Kurbel drehte, machten sie richtig viel Krach.

Fast jeder hatte so eine Klapper, oft selbst gebaut und über Generationen weitervererbt. Von Gründonnerstag bis Ostersamstag waren wir damit unterwegs. Morgens um sieben, mittags um zwölf und abends zur Betglockzeit zogen wir gemeinsam durch die Straßen und klapperten. Es war laut, aber es machte Spaß, vor allem, weil wir zusammen unterwegs waren.

Am besten war der Samstag. Da gingen wir von Haus zu Haus und bekamen unsere Belohnung. Es gab Ostereier, die nicht so beliebt waren, Süßigkeiten, die ziemlich beliebt waren – und Geld, das besonders beliebt war. Am Ende wurde alles aufgeteilt. Meistens fair, aber nicht immer. Manchmal verschwand einer einfach früher, und dann war unsere Klappergruppe auf ein paar Aufrechte geschrumpft.

Trotzdem war uns das ziemlich egal. Denn die Feiertage standen vor der Tür und wir freuten uns darauf.